DS Concordia
DS Concordia

Vorbild

Köln im Jahre 1827: Es gibt noch eine Eisenbahn, der Dom ist noch nicht vollendet, doch am Rheinufer gibt es etwas unerhörtes zu sehen: Ein Dampfschiff! Bis dato wurden Schiffe mit Windkraft oder Pferden stromaufwärts bewegt. Zum ersten Mal war es nun möglich, unabhängig vom Wetter zu Berg zu fahren. Versuche in den Jahren zuvor haben ja auch bewiesen, dass man sogar die schwierige Gebirgsstrecke zwischen Koblenz und Bingen befahren kann - heute ist dieser Abschnitt Unesco-Weltkulturerbe. So tun sich also ein paar Kölner Kaufleute zusammen und gründen die Preußisch-Rheinische Damfp¬schiffahrts¬gesellschaft (PRDG). Ihr erstes Schiff heißt Concordia. Sie ist ca 45 Meter lang, im Wasser 5 Meter breit und hat eine zweizylinder-Niederdruck-Maschine mit Balancier, die gewaltige 70 PS liefert. Der Rumpf besteht aus Eichenholz, wobei der Schiffsboden mit Eisenblech beschlagen war. Das Schiff litt unter Gleichgewichtsproblemen. Diese löste man durch Ballastwagen, die man unter Deck je nach Notwendigkeit abstellen konnte. Das Schiff ist für die damalige Zeit ungeheuer komfortabel. Es besitzt verschiedene Salons für 4 Klassen. Natürlich ist es auch für den Güterverkehr konzipiert, denn der Tourismus steckte damals ebenfalls noch in den Kinderschuhen. Die Fracht wurde mit dem bordeigenen Kran in den Laderaum befördert. Sehr wahrscheinlich hatte die Concordia auch ein Beiboot, mit dem sie Passagiere an Land setzen konnte, denn feste Anlegebrücken gab es ebenfalls noch nicht. In der ersten Saison gab es jede Menge Probleme. Zunächst einmal war die Strecke von Köln nach Mainz noch nicht reguliert. Besonders problematisch war die Durchfahrt durch das Binger Loch, eine damals 14 Meter breite Fahrrinne. Zum anderen war die Dampftechnik sehr neu und der Heizer entsprechend unerfahren. Mehrmals ließ er den Kessel trockenfallen, so dass Reparaturen nötig wurden. Dennoch erwies sich die Concordia als außerordentlich erfolgreich. Noch heute fahren Schiffe der PRDG auf dem Rhein - unter der Flagge der Nachfolgergesellschaft Köln-Düsseldorfer (KD). Vorüberlegungen Das erste und naheliegende Problem für den Bau eines so alten Schiffes ist natürlich, einen Plan und Fotos zu bekommen. Was den Plan angeht, hatte ich Glück. Das Buch "Die Personenschiffahrt auf dem Rhein" von Eduard Bündgen enthält sehr viele Pläne, eben auch einen der Concordia. Dieser Plan ist natürlich nicht original. Vielmehr wurde er von einem Gelehrten erstellt. Für mich genügt dies. Was Fotos angeht, so sah die Sache ganz düster aus. Im Jahr 1827 gab es praktisch nur Prototypen von Kameras und die Presse von damals hatte darauf keinen Zugriff - geschweige denn Kölns Bewohner. So musste ich mich auf den Plan verlassen. Glücklicherweise hat sich jedoch ein Bekannter schon mit der Concordia beschäftigt und ein Standmodell anfertigen lassen, das mir ebenfalls als Vorbild dienen konnte. Von diesem Standmodell machte ich ausreichend Fotos. Schlussendlich baue ich also ein Modell eines Modells. Die Concordia soll passend zu meinen anderen Schiffen im Maßstab 1:50 erbaut werden. Daraus resultiert eine Rumpfbreite von etwa 10 Zentimetern bei einem Tiefgang von etwa 2,5 Zentimetern. Bei einer Rumpflänge von ca. 80 Zentimetern ergibt das eine zu erwartende Masse von 1,8 Kg. Das klingt sehr wenig, ist aber durchaus machbar. Schließlich braucht das Schiff nur einen kleinen Motor und folglich auch keine große Batterie. Problematisch ist allerdings die Stabilität. Wer Modellschiffe baut, der weiß dass 10 Zentimeter sehr schmal ist. Und schmale Rümpfe neigen - im wahrsten Sinne des Wortes - zum krängen, zumal das Modell durchaus hohe Aufbauten besitzt. Die Stabilitätsrechnung - wobei es eher eine Schätzung denn eine Rechnung ist, denn ich nutze die Formel für quaderförmige Rümpfe - lässt nichts Gutes erwarten. Der Schwerpunkt darf nicht höher als 1,5 Zentimeter über der Wasserlinie liegen. Und selbst dann dürfte das Schiff sehr schwanken. Das erscheint mir bei den hohen Aufbauten als nicht durchführbar, so dass ich Konstruktion überdenken musste. Die Lösung lag darin, Gewicht einzusparen. Der Bau würde also vorwiegend aus Balsaholz und anderen leichten Materialien konstruiert werden. Ich legte die zu erwartenden Baumaterialien und die Elektronik auf die Waage und erreichte etwa 1,2 Kg. Natürlich ist damit zu rechnen, dass noch mehr oben drauf kommt aber ich setzte etwa 1,5 Kg fest, was einem Tiefgang von 2 Zentimetern entsprechen würde. Diese Rechnung ist schon bedeutend besser: Der Schwerpunkt darf nun 4 Zentimeter über der Wasserlinie liegen, also ungefähr auf Deckshöhe. Das erschien mir machbar und so konnte der Bau beginnen.

Auf See

Jungfernfahrt am 1. Mai 2015

Die Concordia steht unter Dampf

Fahrt auf dem Rhein zu Füßen des Drachenfels

Auf hoher See in den Alpen

Saisoneröffnung 2017